GLÜCK und GLÜCKLICH LEBEN

Zunächst ist es wichtig, zwischen Glück haben und glücklich sein zu unterscheiden. Im Englischen ist das einfach, da es zwei verschiedene Begriffe gibt: luck and happiness. Im Deutschen treten da leicht Missverständnisse auf.

Glück im Sinne von Glücklichsein kann bzw. muss aktiv hergestellt werden und entsteht nicht einfach passiv, durch das Wegfallen von Unglücklichsein, Schmerz oder Stress. Nach einem sollen Wegfall sind wir bestenfalls in einem neutralen Zustand, aber damit noch nicht glücklich.

Dem Willen zum Glück fällt demnach eine bedeutende Rolle zu. Dabei zeigt sich eine überraschende Übereinstimmung zwischen der antiken Philosophie des Buddhismus und den modernen Neurowissenschaften, die alle behaupten: Glücksgefühle sind eine Folge der richtigen Gedanken und Handlungen, die durch Wiederholungen und Gewohnheiten trainiert werden können.

Man kann das auch als eine grundsätzliche Haltung beschreiben: entweder man beobachtet passiv und fremdbestimmt die Welt durch ein Guckloch oder man ist aktiv und selbstbestimmt ein Teil der Welt.


Zusammenhang Zufriedenheit und Glück


Glück unterscheidet sich von der Zufriedenheit also dadurch, dass dort Freude, Begeisterung und Engagement dazukommen. Der entscheidende Übergang in Richtung Glück ist der von Passivität zu Aktivität und von Fremdbestimmtheit zur Selbstbestimmtheit.

Die amerikanische Psychologin Sonja Lyubomirsky hat mit ihrem Team in einer groß angelegten Meta-Studie festgestellt, dass sich die Determinanten für das persönliche, andauernde Glück in drei Kategorien unterteilen lassen: Lebensvorgaben (Set Point), Lebensbedingungen (Circumstances) und vorsätzliche Aktivitäten (Intentional Activities). Diesen weist sie unter Berufung auf zahlreiche Studien einen jeweiligen Anteil am andauernden Glück des Menschen von 50%, 10% und 40% zu (siehe Diagramm).


Unter Lebensvorgaben bzw. Set Point versteht sie physische und genetische Voraussetzungen. Den Lebensumständen, wie Einkommen und Gesundheit, spricht sie bloße 10% Einfluss auf das persönliche dauerhafte Glück zu. Das erklärt sie durch die Tendenz, sich an neue (bessere) Lebensumstände anzupassen und auf Dauer zu gewöhnen. Momentane mitunter enorme „Glücks-Boosts“ würden nur von kurz- bis mittelfristiger Dauer sein. Die Erfüllung der Grundbedürfnisse (Wohnmöglichkeit, Kleidung, Nahrung...) nehmen die Wissenschafter von diesem Konzept jedoch aus. Als eine der wichtigsten Einflussgrößen auf das Glück nennen sie die vorsätzlichen Aktivitäten, „die breite Palette von Dingen, die Menschen in ihrem täglichen Leben tun und denken können.“ Sie beschreiben weiter: „Lebensumstände passieren dem Menschen und vorsätzliche Aktivitäten beschreiben die Art, wie er mit diesen Umständen umgeht.“

Wer sich durch den eigentlich geringen Einfluss der Lebensumstände zu sehr bedrängt fühlt, empfindet sich als fremdbestimmt und nimmt eine Opferrolle ein. Sich selbstbestimmt in den laut Studie wesentlich bedeutungsvolleren vorsätzlichen Aktivitäten zu engagieren, lässt einen die Opferrolle ablegen. Selbstbefähigung und steigendes Selbstwertgefühl und auch verbesserte Gesundheit sind der Lohn, wenn man sich so für das eigene Glück engagiert.

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Glück und materieller Wohlstand

In vielen Untersuchungen (z.B. Richard Layard, Die glückliche Gesellschaft) wurde übereinstimmend festgestellt, dass das Glück mit dem Einkommen nur über eine beschränkte Strecke ansteigt. Sobald die Grundbedürfnisse befriedigt sind, entsteht durch mehr Wohlstand nur mehr wenig bis gar kein Zuwachs an Glück. In den USA hat man festgestellt, dass innerhalb von 30 Jahren, in denen sich das durchschnittliche Einkommen mehr als verdoppelt hat, die Zahl der Menschen, die sich als sehr glücklich bezeichnen zurückgegangen ist (35 % -> 30 %). Es ist sogar der Anteil jener gesunken, die mit ihrer finanziellen Lage „ganz zufrieden“ sind (42 % -> 30 %).

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Das Streben nach immer mehr Wohlstand und vor allem nach dem damit verbundenen Status (im Vergleich zu anderen) führt für viele in ein echtes Suchtverhalten. Damit entsteht ein dauerhafter Zustand der Unzufriedenheit, in dem kein nachhaltiges Glück entstehen kann.

Untersuchungen haben auch gezeigt, dass das Anstreben nicht materialistischer Ziele das Glück wesentlich stärker beeinflusst als das von materialistischen Zielen, und zwar in beide Richtungen.


Glück und Beziehungen

Das Sozialkapital eines Menschen ist ein Maß für seine Lebenszufriedenheit, für sein Glück und besteht in der Qualität seines Systems an Beziehungen. Man unterscheidet dabei drei Ebenen: die Mikroebene der echten Nahebeziehungen (Familie, sehr gute Freunde), die Mesoebene der guten Beziehungen zu Gruppen, Vereinen und Freunden und die Makroebene (Region, Staat, Menschheit, höhere Werte und Ideale).

Ein wichtiges Ergebnis dieser Forschungen besagt nun, dass zur Errechnung des Sozialkapitals die Personenanzahlen in den drei Ebenen miteinander zu multiplizieren sind. Das bedeutet, dass ein Mensch ohne Nahebeziehungen ein Sozialkapital von NULL hat. Wenn jemand nur eine Nahebeziehung hat, so lebt er sehr gefährlich: wenn er diesen Menschen durch Tod, Trennung oder auch nur Zerwürfnis verliert, steht er vor einem Abgrund. Umgekehrt bietet das Aufbauen von Nahebeziehungen einen mächtigen Hebel, das Sozialkapital und damit das Glück äußerst wirkungsvoll zu steigern.

Besonders spannend ist auch die Makroebene. Es zeigt sich, dass es für das Glück des Menschen erfoderlich ist, sich für etwas Größeres, Höheres zu engagieren. Ein solches Engagement für höhere Werte und Ideale verleiht dem Leben Sinn und wird so zur Bedingung für wahres Glücklichsein.


Hier gibt es zum Download Texte zu den Fragen
Was ist Glück?, Ist Glück erlernbar? und Glück und Konsum - ein verrücktes Paar

Hier gibt es zum Thema Glück Empfehlungen für Bücher und DVDs und Zitate.


Links:

Es gibt zwei hervorragende deutsche Websites zum Thema Glück und glücklich leben: Das Glücksarchiv und Das GlücksNetz. Weitere gute Informationen zum Thema Glück gibt es auch hier: Wikipedia. Die Financial Times Deutschland über Glück. Hier ist noch ein toller Link - diesen gibt es allerdings nur auf englisch: The Happiness Show

Es gibt menschliche Ausdrucksformen, die mit dem Glück in enger Symbiose bestehen: Lächeln und Lachen. Lachen kann man lernen; zum Beispiel hier: Vienna Academy of Laughter.

Die derzeit erfolgreichste Vorlesung an der angesehendsten Universität der Welt, in Harvard, ist eine hochbeliebte Lehrveranstaltung über das Glück (Basis: Positive Psychology). Hier kann man diese auf Video sehen.

Meine zur Zeit wichtigsten Projekte zum Thema Glück:


Eine Möglichkeit, den Kern des Wegs zum Glück zu formulieren (in Anlehnung an Eckhart Tolle):

JA zu sagen zu dem was ist, in jedem Augenblick, führt zu innerem Frieden, Befreiung, Glück, Erlösung, Erleuchtung.
NEIN zu sagen zu dem was ist, führt zu einer ständigen Kampfhaltung gegenüber dem Leben. Und das bedeutet Leiden.
NEIN bedeutet erdrückende Enge.
JA ist Weite - offener friedvoller Raum, in dem alles geschieht - alle Angst verlöscht - das JETZT, die strahlende glückselige Essenz unserer Existenz.


Glücksymbole, die wirken mögen:
Das chinesische Schriftzeichen für Glück
Im Englischen halcyon times = glückliche Zeiten
halcyon = kingfisher= Eisvogel
Die tibetischen Glückssymbole kombiniert

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Letztes Update:
14. 02. 2008